Bayerns Strommix besteht im 1. Halbjahr 2012 immer noch zu einem großen Teil aus Kernenergie. Dieser Anteil ist zwar rückläufig, dennoch dominiert die Atomkraft mit 58,3 Prozent immer noch die bayerische Stromerzeugung. Heut vor 30 Jahren wurde mit dem Bau des größten deutschen AKW Isar-II begonnen – das sich in Bayern befindet.

AKW Isar; Bild: suedbayer / Panoramio

AKW Isar; Bild: suedbayer / Panoramio

Der Standort “Isar” hat eine lange, atomare Geschichte: bereits 1966 wurde mit dem Projekt “Atomkraftwerk Niederaichbach” begonnen. Es handelte sich um einen Prototyp-Reaktor, der zwischen 1973 bis 1974 in Betrieb war. Die in dieser Zeit bereitgestellte Energie entsprach rund 18 Tagen Volllast. Nach zahlreichen Pannen und notwendiger, umfangreicher Umrüstung wurde der 100-Megawatt-Meiler stillgelegt – und zur “Grünen Wiese” zurückgebaut. Es war der europaweit erste vollständige Rückbau eines AKW, der ca. 143 Millionen Euro kostete.

In direkter Nachbarschaft wurde das AKW Isar-1 am 20. November 1977 zum ersten Mal kritisch. Er hat einen Siedewasserreaktor deutscher Bauart (SWR-Baulinie 69) mit einer elektrischen Bruttoleistung von 912 MW. Wegen zahlreicher Schwachstellen in der Auslegung dieser Baulinie wurde Isar-1 und alle vergleichbaren Reaktoren nach dem Super-GAU von Fukushima stillgelegt. Betreiber E.ON will den Meiler vollständig zurückbauen.

Mit der Errichtung des dritten Blocks am Standort, Isar-II, wurde am 15.09.1982, heute vor 30 Jahren, begonnen. Es handelt sich um einen Druckwasserreaktor der 4. Baulinie (Konvoi), mit 1.485 MW Brutto-Leistung. Es ist damit das leistungsstärkste AKW Deutschlands – und stellt Jahr für Jahr auch im internationalen Vergleich größte Strommenge her. Der nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima beschlossene Atomausstieg sieht einen Weiterbetrieb bis 2022 vor.

Isar-II gehört zu den “neueren” Atomkraftwerken in Deutschland. Allerdings bedeutet “neuer” nicht automatisch auch “sicher” – auch wenn Betreiber und Politik dies ständig betonen. Auch in Isar-II kommt es immer wieder zu Störfällen, zuletzt schlossen Anfang April zwei Armaturen in einer von vier Nachkühlketten nicht wie vorgesehen. Ursache waren Defekte in der Elektronik. Anfang August machte mit Giftstoff verunreinigtes Trinkwasser auf dem Gelände des AKW Schlagzeilen. In 2011 gab es meldepflichtiges Ereignis, als Mitte Juli bei abgeschalteter Anlage eine elektrische Störung einen Motor einer Kühlwasserpumpe ausser Betrieb setzte. Der Antrieb musste ausgetauscht werden, so dass die Pumpe erst nach 24 Stunden wieder eingesetzt werden konnte. Am 30. März 1988 stürzt nur 1,5 Flugsekunden vor dem Kraftwerkskomplex südöstlich von Ohu ein Mirage-Kampfflugzeug in einen Wald. Der Vorfall löste eine Diskussion über die Sicherheit von Kernkraftwerken bei Flugzeugabstürzen aus. Zwischen 1998 und September 2005 wurden 17 kleineren Pannen gemeldet, viele davon an der sicherheitstechnisch äußerst wichtigen Notstromversorgung. Zu Störfällen mit Freisetzung von Radioaktivität kam es bisher nicht. Seit Betriebsbeginn 1988 hat es mindestens 74 meldepflichtige Ereignisse gegeben, was einem Durchschnitt von 3.08 Störfälle pro Jahr bzw. alle 118 Tage ein meldepflichtiges Ereignis entspricht.

Mittlerweile ist das AKW Isar-II 24 Jahre in Betrieb, was Alterserscheinigungen und Verschleiss an Bauteilen bedeutet und damit immer umfangreichere Wartungen und damit verbunden auch stetig steigendes Risiko beinhaltet.

Bezüglich des täglich anfallenden Atommülls weigert sich das Land Bayern weiterhin, einer gleichberechtigten Endlagersuche auf eigenem Boden zuzustimen. Bislang werden die verbrauchten, hochradioaktiven Brennelemente im “BELLA”-Standortzwischenlager abgestellt, wo sie in Castor-Behältern für etwa 40 Jahre an Wärmeenergie verlieren sollen. Was danach mit dem Abfall geschieht, ist völlig offen.

  • Einige von vielen Gründen, die für eine sofortige Stilllegung des letzten AKW am Standort Isar spricht!
  • Atomausstieg? Die Wahrheit Teil 22: Sind die “neueren” AKW sicherer?
    Deutschland steigt aus. Bis 2022 sollen in einem Stufenplan alle Atomkraftwerke abgeschaltet werden, das erste bereits 2015. Schwarz/gelb feiert das eigene Einknicken im Fortbestand der Atomenergie als Erfolg, rot/grün stimmt mit dem Argument “alternativlos” zu. Die “neueren” Atomkraftwerke dürfen teilweise noch mehr als 10 Jahre laufen. Doch sicher sind die auch nicht.
  • Fliegen ohne Landebahn: 50 Jahre Atomkraft – eine Bilanz
    7. August 2012 – Am 24. Juli 1962 gründeten der Stromkonzern RWE und das damalige Bayernwerk (heute E.On) eine Gesellschaft, die den Betrieb eines Atomkraftwerks (AKW) in Gundremmingen im Donauried vorsah. Es sollte das erste Groß-AKW in Deutschland werden. Damit ist es gerade einmal 50 Jahre her, dass der Startschuss für die Atomenergie in Deutschland fiel. In zehn Jahren soll der letzte Reaktor abgeschaltet werden. Die Kosten für den Bau, den Abriss und eine Lösung für den Atommüll sind gigantisch.
  • “NIMBY” – Kein Endlager in Bayern!
    23. Mai 2011 – Not in my Backyard! CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt bringt die Haltung der CSU zur Entsorgung von Atommüll nocheinmal unmissverständlich auf den Punkt: “Ein Endlager wird es in Bayern nicht geben”. Wir fordern Konsequenzen: Kein Gramm Atommüll darf mehr in Bayern produziert werden! AKW Gundremmingen und Isar sofort stilllegen!
  • Bayrische Wirtschaft will Atomausstieg verhindern
    3. Mai 2011 – Das deutsche Atomland No. 1 versucht den Atomausstieg zu verhindern. Jahrzehnte lang nahm Bayern eine Führungsrolle im Atomlobbyismus ein, das erste AKW stand in Bayern – nun fordern Politiker eine Sonderbehandlung bei der Energiewende.

Quellen (Auszug): www.energie-experten.org, 15.09.2012 / de.wikipedia.org/ augsburger-allgemeine.de, 19.07.2011


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1 Kommentar zu „In Bayern dominiert weiterhin Atomkraft – 30 Jahre AKW Isar-II“

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