Am heutigen Donnerstag werden in Potsdam vier ROBIN WOOD-AktivistInnen wegen einer Kletteraktion gegen den CASTOR-Transport nach Gorleben im Jahr 2008 vor Gericht stehen. Ihnen wird eine Ordnungswidrigkeit vorgeworfen. Gegen die Bußgeldbescheide in Höhe von jeweils 500 Euro haben die Betroffenen Einspruch eingelegt.

Der Prozess soll heute wieder aufgenommen werden, nachdem er am 1. August 2011 nach zwei Stunden unterbrochen werden musste. Eine Aktivistin hatte einen Fahnenmast vor dem Gerichtsgebäude erklettert, begleitet von politischen Sprechchören und Sambarythmen. Beteiligte sprachen dank der Unterstützung von einem “Wendlandgefühl” im Gerichtssaal.

Die vier AktivistInnen hatten am 6. November 2008 unter dem Motto: “Der CASTOR kommt, wir sind schon da” mit Bannern auf der Elbe-Seitenkanal-Brücke über der Schienenstrecke zwischen Lüneburg und Dannenberg protestiert. Zeitgleich fanden auch an zwei weiteren Brücken auf dem Schienenabschnitt Aktionen statt. Der Protest richtete sich gegen einen weiteren Castor-Transport, dessen Abfahrt in Frankreich kurz bevor stand.

Die Polizei sperrte die Schienenstrecke, beendete nach ca. fünf Stunden die Aktion und verhängte Bußgelder wegen des Verstoßes gegen die Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung. Außerdem stellte sie die Personalien der Beteiligten fest und nahm eine Aktivistin aus der Gruppe für vier Tage in Haft. Vorbeugend wegen des Verdachts, sie könne weitere Ordnungswidrigkeiten begehen und den CASTOR-Transport behindern.

“Dies stellte zusätzlich zum angedrohten Bußgeld eine unverhältnismäßige Abstrafung dar”, sagt die betroffene Aktivistin.

Sie hat im Dezember 2009 Verfassungsbeschwerde eingereicht, die noch nicht entschieden wurde. Jetzt verlangen die Aktivisten einen Freispruch.

Das Amtsgericht Potsdam spielt seit Umstrukturierung der Bundespolizei eine wichtige Rolle in Bezug auf Gerichtsverfahren wegen CASTOR-Transporten. Denn bei Ordnungswidrigkeitsverfahren richtet sich der Gerichtsstand nach dem Sitz der beteiligten Bußgeldbehörde. Das ist bei Aktionen im Schienenbereich die Bundespolizei, die über eine zentrale Bußgeldstelle verfügt und ihren Hauptsitz in Potsdam hat. Das führt dazu, dass – weit entfernt vom Tatort – in Potsdam verhandelt wird und die Verfahrenskosten in die Höhe getrieben werden. Nach Meinung der Betroffenen steigt dadurch der Druck zu zahlen, anstatt vor Gericht um seine Rechte zu streiten.

Quellen (Auszug): robinwood.de, hartmutkiewert.net/blog/aktivismus/; 26.01.2011


Ähnliche Beiträge:

  1. 01.08.: CASTOR-GegnerInnen in Potsdam vor Gericht
    Am Montag, den 1. August, werden in Potsdam vier ROBIN WOOD-AktivistInnen wegen einer Kletteraktion gegen den CASTOR-Transport nach Gorleben im Jahr 2008 vor Gericht stehen. Ihnen wird eine Ordnungswidrigkeit vorgeworfen,...
  2. Ein Grußwort aus dem Gefängnis
    Am Samstag, den 08.11.2008 ketteten sich drei Anti-Atom-AktivistInnen auf der Castorstrecke bei Wörth – kurz hinter der deutsch-französischen Grenze – in einem Beton-Lock-On unter den Gleisen fest. Während der 12...
  3. Zwischenlager Unterweser vor Gericht
    Am 17. und 18. Februar wird die Betriebsgenehmigung des Standortzwischenlagers für Atommüll am Atomkraftwerk Unterweser vor dem Oberverwaltungsgericht Lüneburg verhandelt. Zwei Bauern haben dagegen geklagt. Die Klage der zwei Anwohner,...
  4. Frankreich: Gericht entscheidet über Weiterbetrieb des Meilers Fessenheim
    Das Verwaltungsgericht in Straßburg entscheidet heute über die Klage des Trinationalen Atomschutzverband (TRAS) zur Schliessung des französischen Atomkraftwerk Fessenheim. Der grenznahe Meiler ist nicht ausreichend gegen Erdbeben geschützt. Die Chancen...

Kommentieren

Aktionen

Nachrichten-Kanal

Den Anti-Atom-Nachrichtenkanal abonnieren:

Artikel abonnieren
Powered by
Easy Automatic Newsletter Lite v2.7.2
STÖRFALL-Kalender
social networks

Jetzt & Sofort:
contrAtom ist Trägerverband der Kampagne "Atomausstieg selber machen".
Partner
Wir sind offizieller Partner der:
Artikel-Archiv
A year before
Login