Mit einer Demonstration haben gestern Atomkraftgegner angemahnt, dass bei der Schließung des ehemaligen Atommüllendlagers Morsleben Sicherheit an erster Stelle stehen muss. Derzeit läuft das Erörterungsverfahren zur endgültigen Schließung der Anlage, in der 37.000 Tonnen radioaktive Abfälle lagern. Das Bundesamt für Strahlenschutz will das Lager für immer verschließen. Damit wäre eine Rückholung des Mülls unmöglich.

Gegen die Pläne des Bundesamt für Strahlenschutz, über einen Zeitraum von 15 Jahren insgesamt 9 Millionen Tonnen Salzbeton in das Salzbergwerk zu pumpen, zogen 200 Demonstranten durch Magdeburg. Neben einer Stilllegung mit höchster Sicherheit müsse aus Morsleben auch zwischengelagerter Atommüll wieder verschwinden, so die Forderungen. Zudem sollen die Stromkonzerne als Verursacher des Mülls die Kosten übernehmen.

Die Stilllegungspläne, gegen die 13.750 Einwendungen geschrieben wurden, basieren auf “unseriösen Beispielrechnungen”. Eine Langzeitsicherheit, dass für tausende Jahre keine Radioaktivität in die Biosphäre gelangt, ist nicht gewährleistet. Das BfS behauptet das Gegenteil. Für Oliver Wendenkampf, Diplombiologe und BUND-Landesgeschäftsführer, ist sowohl das Ansinnen als auch der Lagerort “alles andere als sicher”. Es ist ein Risiko, die Grube “einfach mit Beton dicht zu machen”. Morsleben hat auch nie eine anständige Betriebsgenehmigung bekommen, sondern war für die DDR und später auch Westdeutschland eine billige Entsorgungsmöglichkeit – vergleichbar mit der havarierten Asse-II.

Seit dem 13. September laufen in der Motorsportarena Oschersleben die Erörterung der Einwendungen. Vier Wochen sind dafür eingeplant. Danach wird das Ministerium seine Prüfung fortsetzen, wie es Morsleben schließen will.

  • Jede Partei, die darüber nachdenke, die Fässer dort nicht rückholbar zu vergraben, handele fahrlässig gegenüber den nachfolgenden Generationen.

Die Morsleben-Aktivisten sammeln nun Spenden, um die Wissenschaftler für das Erörterungsverfahren bezahlen zu können. Weitere Informationen: www.bi-morsleben.de

  • Sicherheitsrisiko Morsleben
    Es handelt sich um die weltweit erste Stilllegung eines Endlagers: Die Bundesregierung plant, das ehemalige Endlagerbergwerk Morsleben unwiderruflich mit Salzbeton zu versiegelen und den darin befindlichen Atommüll ohne Rückholmöglichkeit zu begraben. Doch der Salzstock ist einsturzgefährdet, durch Wasserzuflüsse kann das Bergwerk absaufen und die Radioaktivität ins Grundwasser oder an die Oberfläche gelangen. Die Verstrahlung von Bevölkerung und Natur wird – früher oder später – in Kauf genommen. – mehr

Quelle (Auszug): jungewelt.de; 16.10.2011


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