Nachdem 1990 die Pläne zur Errichtung eines Atomkraftwerks gescheitert waren und eine Bauruine übrig blieb, unternimmt Polen einen neuen Anlauf: bis 2020 soll ein erster Reaktor ans Netz gehen. Zur Zeit können die Planungsunterlagen eingesehen werden. Atomkraftgegner rufen dazu auf, Einspruch gegen die AKW-Pläne zu erheben!

Polen Standort AKW Zarnowiec; Karte: maps.google.de

Polen: Standort Zarnowiec; Karte: maps.google.de

Die direkte Nachbarschaft eines neuen Meilers, der von Südkorea oder Frankreich gebaut werden soll, bleibt Deutschland erspart. Weder an der Neiße noch in Niederschlesien und Lebuser Land ist ein Standort für ein Atomkraftwerk vorgesehen. Die favourisierten Orte befinden sich jeweils mindestens 200 Kilometer von der Grenze entfernt. Doch bei einem Super-GAU spielen solche Entfernungen keine Rolle.

  • Radioaktivität kennt keine Grenzen. Widerstand auch nicht.

Bei der Standortwahl seien zwei Kriterien berücksichtigt worden: die Kühlwassermenge und die Nähe zu möglichst vielen Stromkunden. Gesucht wird daher in Industrieregionen und Ballungsräumen. Die nun bevorzugten Orte liegen im Norden und in Zentralpolen: an der Ostsee, bei Poznan und Warschau. Im März 2010 hatte Polen eine Rangliste von 27 potentiellen Standorten für Atomkraftwerke erstellt. Weil sich einige Standorte direkt an der Grenze befinden, können nun im Rahmen eines “Grenzüberschreitenden Strategischen Umweltprüfungsverfahren” (SUP-Verfahren) auch Deutsche zu den Projekten Stellung nehmen.

Als bester Standort wird Zarnowiec angesehen, der Ort, etwa 50 Kilometer nordwestlich von Danzig, wo 1982 mit dem Bau von zwei Reaktorblöcken russischer Bauart begonnen wurde. Nach Tschernobyl wuchsen in Polen die Bedenken gegen Atomenergie, was 1989 zu einer Sicherheitsüberprüfung führte. Das Kühlwasser hätte den See um über 10 Grad erwärmt und dadurch ökologische Schäden hervorgerufen. 1990 wurde das Projekt aufgegeben, da der Minister für Wirtschaft der Meinung war, das Kraftwerk sei überflüssig, es seien genug Energieerzeugungskapazitäten innerhalb Polens vorhanden. Der ökonomische Kollaps nach dem Zusammenbruch des Ostblocks machte die Pläne vollends zunichte.

  • Nun soll an dem Ort, wo Ruinen mahnen, ein neuer Versuch für einen ersten Reaktor in Polen gestartet werden.

Grundsätzlich hatte sich der polnische Ministerrat bereits Anfang 2009 dafür entschieden, künftig Atomkraftwerke zur Stromversorgung einzusetzen. Die Katastrophe im japanischen Fukushima im März dieses Jahres hat daran nichts geändert. Erst im Mai 2011 wurde der Neubau eines Atomkraftwerks mit 404 Stimmen und nur zwei Gegenstimmen sowie einer Enthaltung im polnischen Parlament beschlossen. Polen argumentiert mit den EU-Klimaschutzzielen, derzeit liefert zu mehr als 90 Prozent die Kohle Elektrizität. Damit ist das Land einer der größten Kohlendioxid-Produzenten in der EU. Erneuerbare Energien spielen mit fünf Prozent praktisch keine Rolle.

Im Rahmen der von der EU vorgeschriebenen Strategischen Umweltprüfung können Bürger und Behörden bis zum 4. Januar 2012 zum Atomprogramm Stellung nehmen und Bedenken vorbringen.

Atomkraftgegner rufen dazu auf, gegen die AKW-Pläne zu protestieren.

Mit folgendem Beispieltext kann gegen Einspruch erhoben werden:

Sehr geehrte Damen und Herren,

durch die polnischen Pläne zur Errichtung eines Atomkraftwerks sehe ich meine Grundrechte auf körperliche Unversehrtheit, Leben und Eigentum gefährdet. Atomenergie ist unbeherrschbar und nicht mit dem garantierten Schutz der Bevölkerung vereinbar. Zudem fordere ich die sofortige Stilllegung aller Atomanlagen weltweit!

  • Radioaktive Stoffe können von dem geplanten Atomkraftwerk über den Luftweg bis hin zu meinem Wohnsitz gelangen – in meine Atemluft und in die Nahrung.
  • Ich befürchte Verseuchung und Verstrahlung durch Leckagen, Störfälle und Erdbeben. Ein Atomkraftwerk würden die Produktion und Lagerung von Atommüll verursachen und Uran- und Atommülltransporte erfordern. Das Risiko von Transportunfällen, Flugzeugabstürzen und Anschlägen nimmt zu. Einen absolut sicheren Schutz gibt es nicht.
  • Bereits im “Normalbetrieb” setzen Atomkraftwerke Radioaktivität frei. In Deutschland dokumentierte 2007 eine Studie des Bundesamtes für Strahlenschutz vermehrt Leukämiefälle bei Kleinkindern in AKW-Nähe. Die Ergebnisse der Studie müssen im Zusammenhang mit den geplanten AKW berücksichtigt werden.
  • Der Betrieb eines Atomkraftwerks würde den lebensfeindlichen Uranabbau vermehren und ist im Vergeich zu anderen Energieträgern kein wirksamer Beitrag zur Bekämpfung der Klimakatastrophe. Erneuerbare Energien sind langfristig günstiger und verursachen keine Nebenwirkungen wie Atommüll.
  • Radioaktivität (Strahlung / Partikel) und z. B. tritiumhaltige Abwässer gefährden vor Ort die Landwirtschaft und das Grund- und Trinkwasser.
  • Eine militärische Nutzung von Atombrennstoff und Atommüll kann grundsätzlich ebenso wenig ausgeschlossen werden wie Atomspionage.
  • Es wird nie ein Endlager geben, in dem der Atommüll sicher gelagert werden kann. Die Erfahrungen in der Asse-II haben ungeahnte Probleme aufgezeigt, die bereits mit dem Bau eines AKW berücksichtigt werden müssen.

Aus diesen Gründen lege ich Einspruch gegen den Bau eines Atomkraftwerks in Polen ein.

Stellungnahmen bzw. Eingaben können in deutscher Sprache vom 5. Oktober 2011 bis zum 4. Januar 2012 unmittelbar bei folgender Stelle eingereicht werden:

  • Michal Kielsznia
    General Director for Environmental Protection
    ul. Wawelska 52/54
    00-922 Warszawa, POLEN
    fax +48 22 57 92 126, e-mail: dorota.szumanska@gdos.gov.pl

Eine Kopie der Stellungnahme bzw. Eingabe sollte zudem an

  • Hanna Trojanowska
    Government’s Plenipotentiary for Polish Nuclear Power Engineering Issues
    Undersecretary of State
    MINISTRY OF ECONOMY
    Plac Trzech Krzyzy 3/5
    00-507 Warszawa, POLEN
    fax + 48 22 693 40 46 – 48, e-mail Andrzej.Chwas@mg.gov.pl

erfolgen.

weitere Informationen und Unterlagen:

Quellen (Auszug): maerkischeallgemeine.de, bmu.de, dradio.de; 08.10.2011

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