Es ist die erste Ankündigung eines AKW-Neubaus nach Fukushima. Und ausgerechnet ein deutscher Konzern ist daran beteiligt. Das AKW-Konsortium Fennovoima hat am Mittwoch die Standortentscheidung für ein geplantes Atomkraftwerk in Finnland bekanntgegeben. Es wäre das nördlichste AKW in der EU. Atomkraftgegner rufen zu Protesten gegen E.ON auf.

Atom-Standorte in Finnland

Atom-Standorte in Finnland

Nach Vorstellung des vom deutschen Energie-Konzern E.ON errichtete AKW-Konsortium Fennovoima soll frühestens Ende 2012 oder Anfang 2013 mit dem Bau eines neuen Atomreaktors bei Pyhäjoki begonnen werden. E.ON ist mit 34% der Aktien größter Teilhaber am Unternehmen. Pyhäjoki liegt rund 100 Kilometer südlich der Stadt Oulu am Bottnischen Meerbusen der Ostsee. Das AKW wäre damit das nördlichste in der Europäischen Union. Für die Standortentscheidung habe unter anderem eine Einschätzung des Erdbebenrisikos den Ausschlag gegeben, schrieb das Konsortium in der Begründung seiner Wahl.

Atomkraftgegner protestieren seit Jahren gegen das Projekt. Seit der Katastrophe in Fukushima hat die Bereitschaft in Finnland für den weiteren Ausbau der Atomenergie abgenommen. Auch vor Fukushima waren 60 Prozent der jungen Leute und 75 Prozent der Frauen gegen neue AKW im Land. Den Menschen, die ihre Grundstücke nicht an Fennovoima verkaufen wollen, wurde allerdings bereits mit Enteignung gedroht.

Die Notwendigkeit für neue Atomkraftwerke wird damit gerechtfertigt, dass die finnische Industrie billige Energie benötigen würde. Die Anteilseigner von Fennovoima würden den Strom zum Erzeugerpreis aus dem neuen Atomkraftwerk bekommen. Normale StromkundInnen werden den Marktpreis zahlen müssen. Überschüssige Strommengen sollen in andere Länder exportiert werden, etwa nach Mitteleuropa. Damit scheint sich Finnland schnell zum Strom-Rohstoff-Lieferanten zu entwickeln. Doch der Norden Finnlands ist dank der Wasserkraft bereits jetzt energieautark: Dort werden 107 Prozent der verbrauchten Energie selbst produziert.

Eine Lösung für den hochradioaktiven Müll gibt es nicht, obwohl derzeit ein Endlager in Eurajoki bei Olkiluoto geplant wird. Dieses wird jedoch von den Energiekonzernen gebaut, die die anderen finnischen Reaktoren betreiben und sie haben bereits erklärt, dass in Eurajoki kein Platz für den Atomabfall von Fennovoima sei.

Bevor Fennovoima mit dem Bau beginnen kann, benötigt es aber noch eine Baugenehmigung der Regierung. Die seit Frühjahr dieses Jahres regierende Koalition unter Beteiligung der Grünen und der Linkspartei gilt atomkritischer als die schwarzgrüne Vorgängerregierung.

Atomkraftgegner rufen zu Protesten gegen den Energiekonzern E.ON auf: “Auch der deutsche Stromkunde kann dem Konzern, der in Deutschland scheinheilig den Ausstieg mitträgt und nun im Ausland neue Meiler bauen will, die rote Karte zeigen. Wer noch E.ON-Kunde ist, der wechselt seinen Stromanbieter zu einem, der reinen Ökostrom anbietet”, so Jan Becker von contrAtom.

Infos: www.eon-abmelden.de

Im finnischen Olkiluoto entsteht derzeit der erste “Europäische Druckwasserreaktor”, der sich zu einem absoluten finanziellen Debakel entwickelt. Es war der ersten Reaktorneubau in Europa seit der Tschernobyl-Katastrophe 1986. Das Kraftwerk Olkiluoto-3 sollte – schlüsselfertig zum Festpreis vom französischen AKW-Bauriesen AREVA und der deutschen Firma Siemens angeboten – drei Milliarden Euro kosten. Bis heute hat sich diese Summe wegen Verzögerungen beim Bau und fehlenden Einnahmen durch Stromerlöse auf mindestens 5,3 Milliarden Euro fast verdoppelt. Kritiker führen zudem eine lange Liste von Sicherheitsmängeln des angeblichen “Super-Reaktors” an. Nun steuert Finnland offenbar auf das nächste Debakel zu.

  • AKW-Debakel Europäischer Druckwasserreaktor
    21. Juli 2011 – Es war der ersten Reaktorneubau in Europa seit der Tschernobyl-Katastrophe 1986: Der “Europäische Druckwasserreaktor” sollte die Renaissance der Atomkraft einläuten. 2005 wurde mit dem Bau in Finnland begonnen, Ende 2007 in Frankreich mit einem zweiten Reaktor. Seitdem gibt es Pleiten, Pech und Pannen.
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Quellen (Auszug): www.wirtschaftsblatt.at, Robin Wood; 06.10.2011


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