Deutschland steigt aus. Bis 2022 sollen in einem Stufenplan alle Atomkraftwerke abgeschaltet werden, das erste bereits 2015. Schwarz/gelb feiert das eigene Einknicken im Fortbestand der Atomenergie als Erfolg, rot/grün stimmt mit dem Argument “alternativlos” zu. Doch weiterhin rollen gefährliche Atomtransporte durch Deutschland. Eine Verbesserung der Sicherheit gibt es seit Fukushima nicht. Und durch den Abbau der AKW werden die Transport noch weiter zunehmen.

Im kommenden Herbst wird das Wendland wieder Brennpunkt in der Auseinandersetzung um die deutsche Atompolitik. Zwar werden große Bevölkerungsteile an den “Atomkonsens” glauben, vielleicht auch viele Grüne nicht mehr auf der Straße oder Schiene sitzen. Fakt aber bleibt: die letzten elf Behälter mit hochradioaktiver Fracht rollen aus der französischen Wideraufarbeitungsanlage La Hague in das Zwischenlager Gorleben.

Die Sicherheit dieser Transport wird vielfältig in Frage gestellt: wegen der hohen Radioaktivität im Innern können die Behälter laut Experten bersten. Die Sicherheitstests sind nur unzureichend, teilweise sogar nur Berechnungen: ein 30 minütiger Brand von 800 Grad und ein Sturz aus 9 Metern Höhe wird als Unfallszenarien zugrunde gelegt, und die Behälter dürfen keinen nennenswerten Schaden erleiden. Kritiker sehen diese Massstäbe als absolut unzureichend an.

  • Atomtransporte: Alles sicher?
    Atomtransporte bergen ein enormes Risiko. Ihr Inhalt ist meist hochgiftig und kann innerhalb von wenigen Stunden ganze Landstriche in für Jahrhunderte unbewohnbare Gebiete verwandeln.
  • Panzerfaust und Castor: eine fatale Kombination
    Immer wieder ist von der Feuer, Stoß- und Sturzfestigkeit der Castoren zu lesen, mit denen die Behälter, die der Beförderung von hochradioaktiven Abfällen (Brennelementen aus Atomkraftwerken oder HAW-Kokillen aus der Wiederaufarbeitungsanlagen) dienen, optimiert und sicher seien. Ausgeblendet wird hingegen, dass Castoren allerdings nicht dafür ausgelegt sind, einem Angriff mit panzerbrechenden Waffen (ATM/ATGM) zu überstehen.

Katastrophenschutz? Fehlanzeige

Örtliche Behörden, die bei einem Unfall auf einem Schienen- oder Straßenabschnitt vor ihrer Haustür als Ersthelfer gerufen würden, sind in der Regel nicht informiert. Katastrophenschutzpläne speziell für den Unfall eines Transports mit hochradioaktiven Stoffen liegen meist nicht vor oder sind Verschlusssache. Verwiesen wird von den zuständigen Stellen auf den “Kerntechnischen Hilfszug”, der im Forschungszentrum Karlsruhe stationiert ist. Im Besten Fall ist also kompetente Hilfe nach wenigen  Stunden verfügbar.

Norddeutsche Häfen sind Drehscheibe für Atomtransporte

Aber nicht nur die Castor- bzw. Müll-Transporte sind ein Übel der Atomindustrie,  auch die Fuhren von Brennstoff zu den Anlagen zur Verarbeitung von Uran sind ein Sicherheitsrisiko.

Nach bisherigen Kenntnissen werden über Rostock Uranhexafluorid und „frische“ Brennstäbe transportiert. Uranhexafluoridtransporte mit natürlichem oder abgereichertem Uran benötigen gemäß § 4 Abs. 3 AtG und Anlage 2 AtG keine Transportgenehmigung des BfS. Das bedeutet jedoch nicht, dass von einer derartigen, gewöhnlich in Tanks, den sog. „30B-Zylindern“, transportieren Fracht keine Gefahr ausgehen würde. Uranhexafluorid (Uran(VI)-fluorid) ist ein sehr giftiger, gesundheitsgefährdender, umweltgefährlicher radioaktiver Stoff. Er ist zwar nicht brennbar oder explosiv, zeigt aber heftige Reaktionen mit Wasser – also bereits mit Luftfeuchte und auch mit Körperflüssigkeiten. Kommt er mit Wasser in Berührung, so entsteht Uranylfluorid und Fluorwasserstoff. Der erste Stoff ist ähnlich gefährlich wie Uranhexafluorid und ätzend. Fluorwasserstoff bildet im überschüssigen Wasser Flusssäure (Fluorwasserstoffsäure), die sehr giftig und stark ätzend ist. Beide Stoffe haben auf Organismen dramatische Auswirkungen, die auch beim Menschen bis zum Tod führen können.

Aber auch in Hamburg landen regelmäßig Schiffe mit radioaktiver Fracht an: Uranoxide, das extrem giftige Uranhexafluorid, unbestrahlte und bestrahlte Brennelemente oder andere Produkte im Zusammenhang mit der Nutzung der Atomtechnologie werden im Hamburger Hafen umgeschlagen und/oder durch das Hamburger Stadtgebiet transportiert. Seit 2004 haben mehr als 400 Atomtransporte durch das Hamburger Stadtgebiet per Schiff, Bahn und LKW stattgefunden. Das bedeutet, daß zur Zeit im Durchschnitt alle zwei Tage radioaktive oder hochtoxische Stoffe durch die Millionenmetropole befördert werden.

Für Proteste sorgte auch ein geplanter Transport von plutonium-haltigen Brennelemente für das AKW Grohnde, die aus der britischen Wiederaufarbeitungsanlage Sellafield über einen norddeutschen Hafen geliefert werden sollten. Dank des Engagements von Atomkraftgegner konnte erwirkt werden, dass sich Städte gegen diesen Transport aussprachen.

Noch mehr Transporte ohne Ziel

Müll aus der Atomindustrie – ob schwach-, mittel- oder hochradioaktiv – landet seit Jahren in Zwischenlagern. In Deutschland werden hochaktive Castorbehälter und Strukturteile aus Atomkraftwerken in Lubmin, Gorleben, Ahaus oder einem der 12 Standortzwischenlagern an den AKW für etwa 40 Jahre abgestellt. In diesem Zeitraum soll sich die Wärmeabgabe der Teile verringern. Anderer Müll landet z.B. in einer der zahlreichen “Landessammelstellen” oder in einem Zwischenlager in den Forschungszentren Karlsruhe oder Jülich. Aber auch an ehemaligen AKW-Standorten wie Stade oder Würgassen bleiben Lagerhalle zurück, in denen radioaktiv verseuchte Komponenten stehen. Für all diese tausend Tonnen Abfall gibt es keine Endlagerlösung. Nach der Abschaltung der ältesten Atomkraftwerke fallen mit deren Abbau noch mehr Abfälle an, die ebenfalls erst einmal in Zwischenlagern verbleiben müssen.

Gibt es kein Zwischenlager vor Ort, müssen all diese Abfälle quer durch die Republik zu ihrem Lagerort gebracht werden. Mit jedem zusätzlichen Transport erhöht sich das Risiko.

Wir fordern eine völlige Neubewertung der Sicherheitskonzepte für Atomtransporte!

Ohne eine Neubewertung darf kein radioaktives Material für die Herstellung von AKW-Brennstoff oder Abfall in die Zwischenlager mehr transportiert werden!

  • Rostock als internationale Drehscheibe für Atomtransporte stoppen
    22.06.2011 – Die Landesregierung Mecklenburg-Vorpommern gibt im Internet zu den ‘Kernmaterialtransporten’ in Mecklenburg-Vorpommern bekannt: “Transportiert werden überwiegend unbestrahlte Brennelemente über den Seehafen Rostock von und nach Schweden. Mecklenburg-Vorpommern ist dabei Transitland. Die Transporte erfolgen bis/ab Seehafen Rostock per LKW, der Transport von/nach Trelleborg [Schweden] erfolgt auf dem Wasserwege.”
  • Kampagne gegen Castortransport 2011
    27. Mai 2011 – Norbert Röttgen spricht von Dialog und Transparenz, outete sich aber im Schnelldurchgang als Basta-Politiker: Gorleben soll als Atommüll-Endlager ausgebaut werden, ohne Vorgespräche, alternativlos, ohne eine formale rechtliche Beteiligung der Bevölkerung. Im kommenden Herbst sollen die Pläne weiter manifestiert werden – mit dem nächsten Castortransport. Trotz Fukushima und aller Kritik am Sicherheitskonzept.
  • Gutachten: Bremen darf Häfen für Atomtransporte sperren
    10. März 2011 – Das Land Bremen kann Atomtransporte nicht verhindern, aber stoppen. Möglich ist das durch eine Teilentwidmung der Bremischen Häfen. Das jedenfalls geht aus einem Gutachten hervor, das die Rechtsanwälte Rainer Kulenkampff und Stefan Ripke im Auftrag der Bürgerschaftsfraktion der Linken erstellten.
Quellen (Auszug): lubmin-nixda.de; 27.06.2011

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