Am 13.02.1960 fand in der algerischen Wüste der erste französische Atomwaffentest statt – der erste von etwa 200 zum Teil oberirdischen Explosionen. Gesundheitliche Folgen in der Bevölkerung werden bis heute offiziell bestritten.

Die ersten französichen Atomtests fanden in der damaligen Kolonie Algerien, in der Wüste Sahara statt. Die vier Tests auf dem Testfeld Reggane, von denen die erste Explosion am 13.02.1940 stattfand, wurden überirdisch durchgeführt.

Nach heftigen Protesten der afrikanischen Anrainer wurde ab 1961 nur noch unterirdisch getestet: bis 1965 wurden 10 unterirdische Explosionen durchgeführt, in einer Zeit, in der Algerien und Frankreich sich schon in einem heftigen Unabhängigkeitskrieg befanden.

Über die Auswirkungen der Tests in Algerien ist wenig bekannt. Die Sahara im Umkreis von 300 km südwestlich bis 300 km östlich von Hamoudia war seinerzeit praktisch menschenleer. Alle vier Explosionswolken wehten in diese Richtungen. Auf Wunsch Algeriens untersuchte die IAEA das Gelände und stellte in ihrem Bericht von 2005 fest, dass aufgrund der sehr schwachen restlichen Radioaktivität erst dann Sicherheitsmassnahmen zu veranlassen seien, wenn sich größerer menschliche Aktivität in der Gegend abzeichnet. Dann müsse der Zutritt zu den vier Explosionsorten untersagt werden. Es gibt aber Gerüchte über einige Zwischenfälle und eine Verstrahlung weiter Teile der Wüste Sahara. Auch in diesem Fall hatte im besonderen eine ethnische Minderheit, das Nomadenvolk der Berber, unter den Atomtests zu leiden.

  • Frankreich – auf dem Weg zur Nuklearmacht – testete weiter: im algerischen In Ecker bis 1966, in den Jahren bis 1996 auf den pazifischen Inseln Fangataufa und Mururoa.

Zum 50. Jahrestag des Atomtests schreibt die Süddeutsche Zeitung, dass algerische Opferverbände betonen, die Region im Süden des Landes sei damals starker Strahlung ausgesetzt worden, die bis heute andauere. Viele Kinder kämen mit Missbildungen zur Welt, viele Menschen hätten Krebs. Frankreich habe die verseuchten Gebiete nie ernsthaft dekontaminiert und versuche, die Opfer “mit ein paar Sous” abzufinden.

Ende 2009 gab der französische Senat bekannt, dass Opfer französischer Atomtests entschädigt werden sollen. Jeder, der als Folge der Atomtests gesundheitliche Schäden davongetragen habe, könne einen Antrag auf Entschädigung stellen, erklärte Verteidigungsminister Morin. An der Abfassung des Gesetzes wirkten Vertreter von Opferverbänden mit. In den Genuss von Entschädigungszahlungen könnten bis zu 150.000 Zivilpersonen und Militärangehörige kommen. Ob das Geld die Geschädigten tatsächlich erreicht, ist fraglich. Einem Fand zur Entschädigung von Opfern amerikanischer Atomtests ging jüngst das Geld aus.

Fangataufa und Mururoa

Nachdem Atomtests in Algerien wegen zunehmender Proteste nicht mehr möglich waren, fand Frankreich im Südpazifik einen neuen Ort, um Atomwaffen zu testen: Auf den zu den Tuamotu-Inseln gehörenden Atolle Mururoa und Fangataufa wurden von 1966 bis 1996 ca. 170 Bomben ober- und unterirdisch gezündet.

Dabei wurde in den umliegenden Gewässern unheilbarer Schaden angerichtet. Heute noch wird den Touristen zu Jodtabletten geraten, da der verzehrte Fisch immer noch mit einem gesundheitsschädlichen Ausmaß an Strahlung verseucht sein kann.

Im September 1995 löste Frankreich mit der Wiederaufnahme der Atomtests auf Fantaufa und dem Mururoa-Atoll nach einem dreijährigen Stopp eine weltweite Protestwelle aus. Die Tests wurden im Januar 1996 abgebrochen.

Bis heute vertritt die französische Regierung die Auffassung, dass die Atomtests Umwelt und Menschen nicht radioaktiv verseucht hätten. Offizielle Angaben über die Verstrahlung sowie über Schäden an Menschen existieren nicht. Daten dazu wurden zwar erhoben, blieben aber bisher unter Verschluss.

Zivile Nutzung der Atomenergie

Der Ursprung der Atomreaktoren war das Streben nach Plutonium für Atombomben. Allein zu diesem Zweck nahm am 26.09.1944 im amerikanischen Hanford der erste Reaktor seinen Betrieb auf. Später wurden mit dem produzierten Stoff die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki dem Erdboden gleich gemacht. Strom war bei dem Reaktorbetrieb ein Nebenprodukt, dem vorerst wenig Bedeutung beigemessen wurde.

Im geschichtlichen Verlauf der Entwickung und Nutzung von Atomkraftwerken als Stromproduzenten ist die militärische Komponente nie zu vernachlässigen: Tonnenweise lagert atomwaffenfähiges Plutonium in Bunkern, Urananreicherungsanlagen wie im nordrheinwestfälischen Gronau sind technisch in der Lage, Anreicherungsgrade von Uran zu erhöhen und es bombenfähig zu machen. Die noch heute spürbaren Folgen der Atomwaffentest sind damit im Zusammenhang mit dem Betrieb von Atomkraftwerken zu sehen.

  • Atomtests: Soldaten waren Versuchskaninchen
    16.02.2010 – Menschen als «Versuchskaninchen»: Frankreich hat bei seinen frühen Atomtests Soldaten vorsätzlich radioaktiver Strahlung ausgesetzt, um die Reaktion von Truppen in einem Atomkrieg zu untersuchen. Das geht aus einem geheimen Bericht hervor, aus dem die Zeitung «Le Parisien» am Dienstag zitiert. – Artikel lesen

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